Wirbelkörperfrakturen

Behandlung von Wirbelkörperfrakturen durch Ballonkyphoplastie

Wirbelkörpereinbrüche sind mitunter sehr schmerzhaft und auf konventionellem Weg nur unzureichend therapierbar. Unbehandelt erhöhen sie das Risiko für weitere Wirbelkörperfrakturen. Seit zirka acht Jahren wird in Deutschland erfolgreich eine neue, in den USA entwickelte Behandlungsmethode bei Wirbelkörpereinbrüchen angewendet, die Ballon-Kyphoplastie. Dieses Verfahren ermöglicht die Wiederaufrichtung und Stabilisierung des gebrochenen Wirbelkörpers, eine sofortige Schmerzverbesserung und eine rasche Mobilisierung der betroffenen Patienten.

EU-weit leiden rund zwölf Prozent der Bevölkerung unter osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen. Die Erkrankung betrifft meist ältere Menschen mit natürlich zusätzlich vorhanden Abnützungen und Schmerzen der Wirbelsäule. Dadurch werden rund zwei Drittel der Brüche nicht diagnostiziert. Vier bis acht Prozent der Bevölkerung zwischen 50 und 54 Jahren haben bereits mindestens eine Wirbelkörperdeformität. In der Altersgruppe der über 75-Jährigen sind es 22 bis 24 Prozent. Frauen über 60 Jahre haben ein doppelt so hohes Risiko für Wirbelfrakturen wie Männer vergleichbaren Alters. Bei Frauen nach der Menopause über 65 Jahren sind 80 bis 90 Prozent aller Wirbelkörperfrakturen auf eine Osteoporose zurückzuführen. Eine einzige Wirbelkörperfraktur erhöht das Risiko für eine weitere um das 3,5-Fache, liegen zwei Wirbelkörperfrakturen vor, erhöht sich das Risiko um das Sechsfache und bei drei Frakturen sogar um das Zwölffache.

Durch Wirbelkörpereinbrüche kommt es zu starken Verformungen des Oberkörpers, deutlicher Abnahme der Körpergröße, Verringerung oder vollständiger Aufhebung des Rippen-Becken-Abstandes, Einengung des Brustkorbs und zur Ausbildung des so genannten „Witwenbuckels“ (Kyphosierung). Rund die Hälfte der Wirbelkörpereinbrüche verläuft akut und ist sehr schmerzhaft. Das Einbrechen der Wirbelkörper kann jedoch auch einen schleichenden und fast schmerzlosen Verlauf nehmen – dabei kommt es zu einem fortschreitenden Zusammenbruch der Wirbelsäule, wobei die Körpergröße in einem Jahr um fünf bis zehn Zentimeter sinken kann. Rund die Hälfte aller Wirbelkörperfrakturen geht mit dauerhaften Schmerzen einher. Wirbelkörpereinbrüche behindern den Patienten in seiner Mobilität und seiner Selbständigkeit im alltäglichen Leben und können bis zur Pflegebedürftigkeit führen und damit dramatisch die Lebensqualität reduzieren. Als Folgen von osteoporotischen Knochenbrüchen treten Abnahme der Leistungsfähigkeit, Zunahme der Pflegebedürftigkeit und zusätzliche Kosten für jede weitere Behandlung auf. Damit ergibt sich auch ein volkswirtschaftliches Problem, vor allem weil die Osteoporose im Zunehmen begriffen ist.

Bislang wurden schmerzhafte Wirbelkörperbrüche hauptsächlich konservativ behandelt – durch die Verabreichung von Schmerzmittel, Bettruhe und einer Versorgung mit einem Mieder. Eine Vielzahl dieser Patienten wird stationär aufgenommen was zusätzliche Kosten mit sich bringt. Der durchschnittliche Krankenhausaufenthalt bei konservativer Behandlung beträgt 17,4 Tage, wobei oftmals kein zufrieden stellendes Behandlungsergebnis erreicht wird. Es entstehen dabei Kosten für Schmerztherapien, Physiotherapien, Krankenstände sowie krankheitsbedingt verminderte Arbeitsleistung.

Eine wirkliche Innovation stellt die Behandlungsmethode der Ballon-Kyphoplastie dar. Es handelt sich dabei um ein minimal-invasives Verfahren, wobei über eine Kanüle ein Ballon im gebrochenen Wirbelkörper platziert und anschließend mit einem Kontrastmittel gefüllt wird. Der Wirbelkörper wird vom Ballon aufgerichtet und dann mit einem Spezialzement (Knochenzement) stabilisiert. Durch die Zementeinspritzung wird der Wirbel stabil, die Schmerzen werden damit rasch reduziert. Durch die Ballonaufdehnung werden eingesunkene Wirbelteile aufgerichtet und Fehlstellungen der Wirbelsäule zusätzlich verhindert.

Diese neue Technik hilft den Patienten rasch und schonend und ermöglicht die schnelle Rückkehr in das tägliche Leben. Zudem belastet das minimalst-invasive Verfahren den Patienten kaum und erlaubt es, den Krankenhausaufenthalt auf durchschnittlich ein bis drei Tage zu reduzieren. Die Patienten sind sofort nach der Operation mobil und um 90 bis 95 Prozent schmerzfrei.

Durch die Korrektur der Wirbelsäulendeformität (Kyphose) entstehen weniger Folgefrakturen. Dennoch ist eine Weiterbehandlung der Osteoporose in jedem Fall erforderlich. Die Operation selbst dauert pro Fraktur rund 45 Minuten und wird unter Lokalanästhesie oder Vollnarkose durchgeführt. Die sofortige Rückkehr ins Alltagsleben wird dadurch ermöglicht, das Tragen eines Stützkorsetts ist nicht notwendig. Von der Operation merken die Patienten später nur zwei ungefähr 0,5 Zentimeter große Schnitte am Rücken.

Die Operation wird nicht nur bei akuten oder chronischen Wirbelkörpereinbrüchen bei Osteoporose angewendet. Auch Unfallpatienten mit frischer Wirbelkörperfraktur beispielsweise aufgrund von Stürzen oder Schlägen kann mit diesem Verfahren geholfen werden. Die Methode kann auch bei Frakturen bei bösartigen oder gutartigen Tumoren im Wirbelkörper wie etwa Knochenmarks- oder Blutgefäßgeschwulst und bei pathologischen Wirbelkörpereinbrüchen bei Knochen auflösenden Metastasen zum Einsatz kommen.

Hintergrund: Osteoporose

Bei der Stoffwechselkrankheit Osteoporose (Knochenschwund) ändert sich der Kalziumstoffwechsel, wodurch das Knochengewebe an Substanz und Struktur verliert. Derzeit leiden in Deutschland etwa 1 Million Menschen an Osteoporose, rund die Hälfte davon weiß nichts von ihrer Erkrankung. Frauen sind dreimal häufiger von Osteoporose betroffen als Männer. In Folge gehen die Knochendichte und -festigkeit zurück und das Risiko für Knochenbrüche steigt. „Der Früherkennung von Osteoporose bzw. der Ausarbeitung von entsprechenden Therapiekonzepten kommt daher ein wichtiger Stellenwert zu. Für jeden Patient muss ein adäquates Behandlungsschema aus der Reihe der innovativen Möglichkeiten ausgearbeitet werden. Damit wird die Zahl der Wirbelkörperbrüche reduziert.“ Eine der häufigsten Komplikationen der Osteoporose sind Wirbelkörpereinbrüche: Während es erst ab dem 75. Lebensjahr zu einem gehäuften Auftreten von Oberschenkelhalsfrakturen bei Osteoporose-Patienten kommt, können Wirbelkörpereinbrüche hingegen schon frühzeitig auftreten.